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Mein Name ist Dr. Ralf Krych. Ich bin Unfallchirurg und Orthopäde. Normalerweise arbeite ich in einer Praxis in Mosbach in der Nähe von Heilbronn. Aber seit 2019 bin ich regelmäßig für ein paar Wochen in Burundi, mitten im Herzen Afrikas.

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Wer als Arzt in ein Entwicklungsland reist, wird mit Situationen konfrontiert, die oft wenig Hoffnung machen. Dr. med. Sebastian Freudenberg zog im April 2018 nach Papua-Neuguinea und begann mit dem Aufbau eines Krankenhauses.

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Zweimal pro Jahr reist ein ehrenamtliches Medizinerteam der Organisation Ärzte der Welt e. V., bestehend aus Chirurgen, Anästhesisten und OP- Pflegern, nach Phnom Penh.

Wo helfende Hände gebraucht werden

Mein Name ist Dr. Ralf Krych. Ich bin Unfallchirurg und Orthopäde. Normalerweise arbeite ich in einer Praxis in Mosbach in der Nähe von Heilbronn. Aber seit 2019 bin ich regelmäßig für ein paar Wochen in Burundi, mitten im Herzen Afrikas.

Idealismus alleine reicht nicht

Ich werde oft gefragt, warum ich dort hinfahre und sogar meinen eigenen Urlaub dafür aufbringe. Wahrscheinlich hat jeder von uns Ärzten, zumindest die meisten, einmal aus idealistischen Gründen mit dem Medizinstudium begonnen. Ich wollte helfen. Später habe ich festgestellt, dass man auch als Mediziner wirtschaftlich arbeiten muss, dass ein Krankenhaus profitabel laufen sollte. Das sind Dinge, auf die man im Studium nur bedingt vorbereitet wird. Als Assistenzarzt ist man da noch etwas außen vor, aber spätestens als Facharzt gibt es dann klare Vorgaben. Seit der Facharztausbildung habe ich mich dann immer öfter gefragt, wie viel von meinem Idealismus noch übrig ist.

Aufbruch nach Burundi

Irgendwann stieß ich auf einen kleinen, autarken Verein, der in Afrika aktiv ist: Helfende Hände. Dort gibt es nur wenige Mitglieder, von denen aber einige regelmäßig nach Mauretanien und Burundi reisen, um zu helfen. Man tut einfach, was möglich ist angesichts der Lage vor Ort. Das gefiel mir. So kam ich zum ersten Mal im Februar 2019 mit nach Burundi, von dem ich bis dahin nichts wusste. Vor der Abreise hatte ich kurzerhand alles eingepackt, was hier in unserer Mosbacher Praxis noch so herumlag und uns von Krankenhäusern und Firmen wie Erbe gespendet wurde: Instrumente, Platten, Schrauben, Verbände, Equipment für die Elektrochirurgie. Alles, was ein Unfallchirurg fürs Erste so braucht.

Das Krankenhaus in Burundi liegt im Norden des Landes, weit weg von der Hauptstadt Bujumbura, und ist sehr einfach ausgestattet. In den zwei Wochen, die ich bei meinem ersten Aufenthalt dort zubrachte, sah ich mehr furchtbare Verletzungen als hier im meinem ganzen bisherigen Berufsleben. Ich bin Unfallchirurg, wir sehen viel Schlimmes. Aber die Fälle in Burundi können auch für Ärzte traumatisch wirken. Wenn es Unfälle gibt, was oft vorkommt, ist schnelle Hilfe meist unerreichbar. Offene Brüche. Verbrennungen. Infektionen. Malaria. Das ist der Alltag in dem Krankenhaus in Kirundo.

Wir setzen auf unsere Erfahrung und operieren mit einem Bruchteil der Mittel, die wir hier in Deutschland in einem OP zur Verfügung hätten. Eine Alternative haben wir nicht. Dr. Ralf Krych

Ein junger Mann wird eingeliefert, der vor Wochen einen schweren Bruch im Oberschenkel hatte. Vor Wochen! Wie ist er überhaupt in dieses Krankenhaus gekommen? Wir setzen auf unsere Erfahrung und operieren mit einem Bruchteil der Mittel, die wir hier in Deutschland in einem OP zur Verfügung hätten, schrauben Platten auf, ohne ein richtiges Röntgenbild zur Orientierung. So muss es gehen. Eine Alternative haben wir nicht. Die Instrumente von Erbe, die wir zur Verfügung haben, helfen uns bei den Eingriffen.

Die Begegnungen bleiben im Kopf

Meine Kollegen und ich stehen abends nach einem ganzen Tag des Operierens und Improvisierens vor unserem angemieteten Haus. Wir trinken ein Bier und nach kurzen Gesprächen sinkt jeder in einen tiefen Schlaf. Es ist seltsam, dass man ausgerechnet nach solchen Erlebnissen so tief schläft. Ob es am tropischen Klima liegt? Die Begegnungen bleiben im Kopf. Ich stelle mir oft viele Fragen. Hätte ich mehr tun können für die Patientin? Hätte ich anders helfen müssen? Wofür bist Du Arzt geworden, Du musst es doch wissen! Ich habe mir abgewöhnt, die Namen der Patienten mit den ganz schlimmen Diagnosen in Erfahrung zu bringen. Die vergesse ich sonst nicht mehr.

Zwei Wochen Arbeit in Afrika vergehen schnell. Wie viele Operationen wir in der Zeit durchführen, habe ich nie gezählt. Wie viele Patienten wieder nach Hause gehen konnten, wie viele nach meinem Rückflug nach Deutschland verstarben, weiß ich nicht. Unser Team kann nicht immer dort sein, wir haben alle unsere Jobs hier in Deutschland. Daher sind die letzten Tage vor dem Rückflug besonders anspruchsvoll. Wir müssen schwere Entscheidungen treffen, frisch operierte Patienten so zurücklassen, dass die afrikanischen Kollegen, die nicht über unsere Erfahrung und Mittel verfügen, sie weiter gut versorgen können. Ungewissheit fliegt trotzdem mit nach Deutschland. Aber auch das gute Gefühl, ein paar Menschen das Leben gerettet zu haben.

Ich werde wieder nach Burundi fliegen, sobald es die Coronapandemie zulässt. Zurück in dieses wunderschöne Land mit seinen freundlichen und offenen Menschen. Zurück zu den Patienten, die so viel mehr erleiden und hinnehmen als die Menschen hier in Deutschland. Bei all dem, was ich als Arzt in Zentralafrika erlebe, bin ich sehr froh, dass meine Familie zu Hause voll hinter dem steht, was ich tue. Und warum ich es tue. Das gibt mir so unglaublich viel Kraft. Mein ältester Sohn ist dreizehn Jahre alt und hat gesagt, dass er beim nächsten Mal mit mir kommen will.

Alles andere als gewöhnlich

Wer als Arzt in ein Entwicklungsland reist, wird mit Situationen konfrontiert, die oft wenig Hoffnung machen. Dr. med. Sebastian Freudenberg zog im April 2018 nach Papua-Neuguinea und begann mit dem Aufbau eines Krankenhauses. Erbe hat das Projekt mit einem VIO-Gerät und Zubehör für den OP unterstützt.

Mein Name ist Sebastian Freudenberg. Ich bin Arzt in Papua-Neuguinea. Bis vor einigen Monaten war ich Direktor des Helios Klinikums in Bad Berleburg. Meine Familie und mich reizten schon immer unbekannte und entlegene Orte. Mit dem Wunsch, in die Ferne aufzubrechen und die Zeit, in der wir noch gesund sind und unsere jüngsten Kinder nicht auf die weiterführende Schule gehen, haben wir uns im Internet nach Stellen umgesehen. Vor allem der pazifische Raum hat uns interessiert, da er uns noch relativ unbekannt ist. So kamen wir schließlich auf den Staat Papua-Neuguinea in Ozeanien. Als wir dann die ausgeschriebene Stelle gefunden haben, haben wir uns intensiver nur mit dem Land Papua-Neuguinea befasst und gespürt, dass genau dieses Ferne und Unbekannte das ist, was wir suchen.

Angesichts der zu erwartenden Verhältnisse vor Ort nahmen unsere Ziele schnell Gestalt an. Wir wollten die medizinische Versorgung im Allgemeinen und natürlich das chirurgische Angebot insbesondere standardisieren und vor allem den lokalen Nachwuchs auszubilden, der dann noch hier ist, wenn unsere Arbeit in voraussichtlich drei Jahren beendet ist und wir zurückkehren müssen.

Auch die universitäre Zusammenarbeit mit den beiden einzigen Hochschulen im Land liegt mir sehr am Herzen. Meine Vorstellung ist, die chirurgische Fort- und Weiterbildung für Studenten und Assistenzärzte noch weiter aufzubauen.

Um die Klinik in Papua-Neuguinea ausstatten zu können, mussten wir zunächst in Deutschland Spenden organisieren. Wir hatten sehr große Freude daran, gemeinsam mit den verschiedenen Fachkliniken unseres Krankenhauses, unserer Geschäftsführung und auch mit der Unterstützung der lokalen Ärzte, vor allem unseres alteingesessenen Allgemeinmediziners, der nebenbei auch noch ein ambitionierter Marathonläufer ist, einen Spendenlauf zu organisieren. Mit den Einnahmen konnten wir die Hälfte der Kosten für ein Ultraschallgerät erlaufen. Erbe spendete uns ein VIO-Chirurgiegerät und viel Zubehör. Die Ausrüstung, aber auch die Anteilnahme der Bad Berleburger an unserem Anliegen und die Freundschaften, die entstanden sind, sind ein unverhoffter Gewinn.

So brachen wir schließlich auf in die Ferne.

Unser Arbeitgeber, die evangelisch-lutherische Kirche, legt sehr viel Wert auf eine gute Integration im Gastland. Das bedeutet, die Landessprache zu erlernen, auf die Einheimischen zuzugehen und die Netzwerke kennenzulernen. Das ist in einem Land wie Papua-Neuguinea nicht gerade einfach.

Unsere Orientierungsphase dauerte daher auch mehrere Monate. Die Menschen sind durchweg sehr freundlich, doch ihre Vorstellungen von Familie, der Rolle der Frau in der Gesellschaft, Verantwortung und Besitz unterscheiden sich zum Teil stark von unseren. Manche Dinge, die man erlebt, sind sehr gewöhnungsbedürftig. Es gibt leider viel Gewalt in den größeren Orten des Landes, Selbstjustiz ist weit verbreitet. Touristen sieht man kaum. Es ist ein Land voller Kontraste, die einen beschäftigen.

Papua-Neuguinea gehört sicherlich zu den reizvollsten und vielfältigsten Ländern dieser Erde. Landschaftlich gibt es viel zu sehen, vom Meer mit Korallenriffen und wunderschönen Stränden mit der Möglichkeit zu tauchen, zu angeln und zu baden bis zur Besteigung des Mount Wilhelm und dem Besuch der Kaffeeröstereien im Hochland, dem Dschungel mit dem Sepik River mit Dschungeltouren und Fahrten mit dem Einbaum. Dazu kommt der Gegensatz zwischen dem modernen Port Moresby mit Hochhäusern, Straßen und allen anderen Dingen der modernen Welt und den über 750 Stämmen mit den unterschiedlichen Sprachen, die zum Großteil als Selbstversorger ohne Strom und fließend Wasser verstreut im ganzen Land leben.

Doch genau hier setzt unsere Aufgabe an. Denn die Möglichkeiten der medizinischen Versorgung sind eingeschränkt. Es gibt selbstverständlich Krankenhäuser in den größeren Zentren, aber viele Menschen leben abseits und sind nicht motorisiert oder haben keinen Zugang zu öffentlichen Verkehrsmitteln. Sogenannte Health Posts gewähren eine Basiskrankenversorgung, aber auch dorthin dauert die Anreise oftmals viele Stunden. Dazu kommt noch, dass die meisten Menschen nur eingeschränkte monetäre Ressourcen besitzen.

Unser Arbeitstag beginnt im christlichen Braun Memorial Hospital stets mit der Morning Devotion – das ist eine kleine Runde mit Liedern und Gebeten –, gefolgt vom Night Report, also der Übergabe des Nachtdienstes an den Tagdienst. Dann gibt es zweimal in der Woche OP-Tage und an den anderen Tagen Visite, Sprechstunde für Outpatients und natürlich das chirurgische Notfallprogramm. In unserem Krankenhaus sind wir meist zwei bis drei Ärzte, die sich auch die Nachtdienste teilen. Nachtdienstfrei gibt es nicht.

Dies sind die Strukturen, die uns helfen, auch unter schwierigen Bedingungen unser Möglichstes zu geben.

Smile, Cambodia!

Zweimal pro Jahr reist ein ehrenamtliches Medizinerteam der Organisation Ärzte der Welt e. V., bestehend aus Chirurgen, Anästhesisten und OP- Pflegern, nach Phnom Penh, um dort in der ersten Woche seines Einsatzes lokales medizinisches Personal weiterzubilden. In der zweiten Woche unterstützt das Expertenteam die lokale Organisation „Smile Cambodia“ bei chirurgischen Einsätzen.

Durch die Aus- und Fortbildung der lokalen Mediziner in verschiedenen Fachdisziplinen kann die Versorgung insbesondere der armen Bevölkerung nachhaltig verbessert werden. Erbe hat den „Ärzten der Welt“ verschiedene Geräte und Instrumente zukommen lassen um ihre großartige Arbeit in Kambodscha zu fördern.

Im Februar 2019 besuchten Mediziner aus Deutschland im Auftrag der Organisation „Ärzte der Welt“ das Khmer Soviet Friendship Hospital. Zum Team gehörten zwei Mund-Kiefer-Gesichtschirurgen, ein plastischer Chirurg und ein HNO-Chirurg. Außerdem waren drei Anästhesisten und eine OP-Schwester dabei, um mit Rat und Tat zu helfen. Während ihrer regelmäßigen Besuche in dem südostasiatischen Land operieren die Mediziner besonders viele Kinder, die mit einer Mund-und-Gaumenspalte zur Welt gekommen waren.

Eine adäquate Operation solch gravierender Missbildungen kann das arme Kambodscha nicht ohne Hilfe aus dem Ausland leisten. Das Gesundheitssystem des südostasiatischen Landes hat auf weiten Strecken mit Unterversorgung zu kämpfen. „Ärzte der Welt“ engagiert sich weltweit für die medizinische Versorgung benachteiligter Menschen – Frauen und Kinder stehen dabei im Mittelpunkt.

Politisch setzt sich die Organisation für einen freien Zugang zur Gesundheitsversorgung als Menschenrecht ein. Die tüchtigen Mediziner erhielten im Jahr 2019 eine umfangreiche Ausstattung für die anspruchsvollen Operationen.

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Erbe setzt auf Geschichten. Aus gutem Grund. Weil wir wirkungsvoll davon erzählen wollen, wie wir Menschen helfen, Menschen zu helfen.

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